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Zehntausend Stunden

Die gute Nachricht über Adblocker

Die Adblocker-Schwemme wirft das Geschäftsmodell der meisten Online-Medien über den Haufen. Trotzdem sind Adblocker ein Segen für die Kommunikations-Branche.

Über 40 Prozent der deutschen Internetnutzer surfen bereits heute im Schutz eines Adblockers, und täglich werden es mehr. Warum das so ist, verstehe ich, seit ich selbst einen Adblocker installiert habe.

Mit sehr, sehr schlechtem Gewissen. Denn mir ist natürlich klar: Das Geschäftsmodell der allermeisten Seiten, die ich regelmäßig aufrufe, beruht auf Werbeanzeigen, auf klassischen Ads.

Nur die Informationen, die Sie wirklich wollen

Aber: Das Leben mit Adblocker ist herrlich! Einfach wunderbar! Wenn Sie noch keinen Adblocker installiert haben, rate ich Ihnen: Tun Sie es unbedingt.

Sie werden es nicht bereuen: Auf einmal sehen Sie klare, cleane Seiten – plötzlich wird erkennbar, was die Web-Designer sich beim Entwurf gedacht haben. Sie sehen nur die Informationen, die Sie wirklich wollen. Keine Ablenkung. Effizienzsteigerung beim Recherchieren: gefühlte 120 Prozent.

Nach ein paar Stunden mit meinem neuen Adblocker fing ich an, mich auf den Moment zu freuen, an dem all jene, die bisher von den Werbeanzeigen lebten, sich etwas anderes haben einfallen lassen. Das wäre dann der Zeitpunkt, an dem wir gar keine Adblocker mehr brauchen. Ich glaube, der Moment wird nicht lange auf sich warten lassen.

Unique Content wird wichtiger denn je

Dazu noch eine Zahl: Fast 60 Prozent der Adblocker-Nutzer verlassen eine Seite, wenn sie zur Deaktivierung des Adblockers aufgefordert werden. Ich finde, dass das eine richtig gute Nachricht ist.

Nicht unbedingt für den Teil der Kommunikationsbranche, der bisher bunte Banner entworfen hat. Aber für all jene, die mit journalistischem Handwerkszeug relevanten Unique Content produzieren. Denn wir können – und müssen! – unseren Kunden sagen: Ads bringen es nicht länger.

Für mich folgt daraus: Mehr denn je müssen Unternehmen für ihre Zielgruppen interessanten Content liefern. Inhalte, mit denen sie im redaktionellen Teil der Medien vorkommen, die ihre Kunden, Interessenten und Multiplikatoren konsumieren.

Nichts gegen gut gemachte Werbeanzeigen! Es ist unfair, wenn die Werbetreibenden, die bisher zu kreativen Höchstleistungen aufgelaufen sind, jetzt durch Adblocker leiden.

Es ist aber nur fair, wenn Medien, die bisher jeden Tracking-Trick genutzt haben, um mich zu verfolgen, nur weil ich einmal (naja, wirklich nicht sehr oft) online Schuhe gekauft habe, sich jetzt ein besseres Geschäftsmodell einfallen lassen müssen.

Bessere Geschäftsmodelle sind nicht nur das Gebot der Stunde – sie werden ein Segen für alle Internetnutzer sein. Was ist Ihnen persönlich lieber? Blinkende Banner, die Sie von den interessanten redaktionellen Inhalten ablenken – oder weitere für Sie interessante Inhalte?

PR, Content Marketing und Native Ads – hurra!

Von diesen Inhalten wird es künftig mehr geben denn je. Sie werden zur Verfügung gestellt werden von Unternehmen, die ihre Kommunikations-Budgets umschichten.

Zum Beispiel, um Gastbeiträge für den redaktionellen Teil zu schreiben – oder um mehr Interviews zu geben. Gute alte PR! Sicherlich wird auch Unternehmensblogs eine noch größere Bedeutung zukommen als heute. Auch die Sozialen Netzwerke werden noch intensiver bespielt werden. Kurz: Wir werden erleben, wie Content Marketing ein neues Level erreicht

Außerdem werden wir wesentlich mehr Native Ads sehen: Artikel, für deren Platzierung Unternehmen zahlen wie für klassische Anzeigen. Die aber keine Werbeanzeigen sind, sondern relevante Informationen liefern und sich vom redaktionellen Teil nur durch einen dezenten Hinweis auf dem Link unterscheiden.

Native Advertising ist zwar keine Erfindung des Online-Zeitalters – es ist ungefähr so alt wie die Zeitung. Aber es ist ein Instrument, das jetzt seine ganze Wirksamkeit entfalten wird.

Der guten alten PR, aber auch den Native Ads, dieser Spielart der Kommunikation genau an der Schnittstelle von Content und Marketing, prophezeie ich hiermit offiziell eine wunderbare Zukunft. Den Adblockern sei Dank.

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