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Wie Sie erfolgreich Journalisten anrufen – drei Regeln fürs Nachfassen

Erfolgreich Journalisten anrufen? Wird deutlich leichter, wenn Sie drei Regeln beachten. Lesen Sie, wie Sie durch Vorbereitung, Fokussierung aufs Inhaltliche und Respekt Ihre Erfolgsquote beim Nachfassen erhöhen!

Habe ich schon immer gern gemacht: irgendwo anrufen. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit, vor fast 15 Jahren, habe ich nebenher ein halbes Jahr in einem Call Center gearbeitet: Einkäufer mittelständischer Unternehmen anrufen und Vertretertermine vereinbaren, das war der Job.

Die Damen und Herren am anderen Ende der Leitung hatten nicht gerade auf meinen Anruf gewartet und natürlich führte die Mehrzahl der Telefonate zu nichts. Aber einige eben brachten eben doch was – genug, dass ich zur Mitarbeiterin des Monats gekürt wurde und einen Schokoladenbrunnen bekam.

Und ich habe viel gelernt im Call Center. Dinge, die mir bis heute helfen, wenn ich in Redaktionen anrufe, um den dort arbeitenden Menschen meine Kunden und ihre Geschichten nahezubringen.

Brauchen Sie Kontakte, um Journalisten anrufen zu können?

PR lebt von Kontakten, heißt es oft. Das stimmt bis zu einem gewissen Grad: Es ist einfacher, einen Journalisten oder eine Journalistin anzurufen, wenn ich

  • ihre Durchwahl und Handynummer schon habe
  • sie mich kennen und schätzen, weil ich sie schon öfters auf relevante Themen aufmerksam gemacht habe
  • sie mich vielleicht sogar mögen

Es gibt rund 40.000 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, davon 10.000 freiberufliche. Ganz zu schweigen von den Bloggern, YouTubern und anderen Influencern.

Klar, wenn man ausschließlich in einer kleinen Nische unterwegs ist, kennt man sich irgendwann. Aber immer die gleichen Themen beackern? Ist meine Sache nicht.

Und selbst wenn ich allerbeste Kontakte habe, gibt es immer Nachwuchs in den Medien. Außerdem wechseln die Leute Positionen und Unternehmen, gehen in Elternzeit, werden krank oder steigen aus – wie in allen anderen Branchen auch.

Mit anderen Worten: Kontakte zu haben ist gut. In der Lage zu sein, mit fremden Menschen ein angenehmes Telefonat zu führen und dabei auch noch konkrete Ziele zu erreichen, ist noch besser.

Drei Regeln für eine hohe Erfolgsquote beim Nachtelefonieren

Worauf kommt es an? Drei Regeln sind nach meiner Meinung und Erfahrung ausschlaggebend für eine hohe Erfolgsquote.

1. Konzentrieren Sie sich beim Nachfassen aufs Inhaltliche

Und zwar auf die Inhalte, die für die Redaktion, bei der sie gerade anrufen, relevant sind. Greifen Sie erst zum Hörer, wenn Sie in einem Satz sagen können, was der für genau diese Redaktion (bzw. ihre Leser, Nutzer, Zuschauer) spannende Kern Ihres Themas ist.

2. Bereiten Sie sich vor dem Anruf auf das Medium vor

Was für eine Redaktion relevant ist, können Sie natürlich nur sagen, wenn Sie das Medium kennen. Nicht in die letzten Verästelungen. Aber zumindest gut genug, um den Grund zu wissen, warum ausgerechnet diese Redaktion Ihr Thema seinen Leser, Nutzerinnen, Zuschauern präsentieren soll.

Die Frage ist nicht, warum Sie gern eine Veröffentlichung zu Ihrem Thema in diesem Medium hätten. Sondern warum Ihr Thema für die Leserinnen, Nutzer, Zuschauer genau dieser Zeitung, dieses Magazins, dieser Sendung von Belang ist.

Außerdem sollten Sie wissen, wer in der Redaktion für Ihr Thema zuständig ist. Das herauszufinden ist nicht besonders schwer, da Journalisten berufsmäßig Inhalte veröffentlichen und ihre Namen nicht gerade geheim halten.

Falls Sie sich unsicher sind, wer Ihr perfekter Ansprechpartner in einer bestimmten Redaktion ist, gibt es eine weitere Möglichkeit: Sie fragen einfach die Person, die Sie an der Strippe haben, wenn Sie unter der -0 angerufen haben und die Zentrale Sie in die Redaktion durchgestellt hat.

Allerdings nicht als erstes. Als erstes (nach Begrüßung und Vorstellung natürlich) sollten Sie immer sagen, worum es Ihnen inhaltlich geht (s. Punkt 1).

Oft erledigt sich dann die Frage nach dem richtigen Ansprechpartner von allein, weil die Person am Telefon sagt: „Ah, da stelle ich Sie zu Herrn Schmidt durch, der ist bei uns für XY zuständig!“

3. Haben Sie Respekt – vor Ihrem Gesprächspartner und vor sich selbst

Journalistinnen und Journalisten sind wichtig (für Sie, weil Sie ein Thema in die Öffentlichkeit bringen wollen, und für die Gesellschaft). Und sie stehen oft unter Zeitdruck (wie fast alle anderen Berufstätigen auch).

Darum sollten Sie ihnen Respekt entgegen bringen: der Rolle des Journalisten ebenso wie dem Menschen und seiner begrenzten Zeit.

Seien Sie gut vorbereitet, s. Punkte 1 und 2, seien Sie freundlich und konzentrieren Sie sich auf den Kern der Sache: die Relevanz Ihres Themas für genau dieses Medium.

Sie sollten aber auch erkennen, dass Sie ebenfalls eine wichtige Rolle haben. Zumindest solange Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben und gut vorbereitet in das Telefonat gehen, erfüllen Sie für Ihren Gesprächspartner eine unerlässliche Funktion: Sie bringen ihm ein Thema.

Selbst wenn Sie vorher schon eine Email geschrieben haben (immer sinnvoll), und jetzt „nachfassen“ oder „nachtelefonieren“ (wie es so schön heißt), bringen Sie dem Journalisten, der Journalistin das Thema näher. Denn es besteht ja die Möglichkeit, dass er oder sie das Thema bisher nicht wirklich wahrgenommen hat, warum auch immer.

Journalisten brauchen Themen – Sie helfen, den Bedarf zu decken. Sie müssen sich also nicht klein machen, sondern können ein Gespräch auf Augenhöhe führen. Von Mensch zu Mensch.

Bonus-Tipp: Bleiben Sie locker – Sie können nur gewinnen

Alle drei Regeln sind eine Weiterentwicklung dessen, was ich vor gut 15 Jahren im Call Center gelernt habe. Damals habe ich begriffen, wie wichtig es ist, dass ich

  1. die Relevanz meines Themas in einem Satz auf den Punkt bringen kann
  2. mich ordentlich vorbereite – damals auf das Unternehmen, heute auf das Medium – inklusive Identifizierung des geeigneten Ansprechpartners
  3. meinen Gesprächspartner und mich selbst respektiere und auf Augenhöre mit ihnen rede.

Falls Sie noch nicht viele Gespräche mit Journalisten geführt haben, kann zur Vorbereitung auch gehören, ein regelrechtes Skript zu entwickeln und in Rollenspielen verschiedene Gesprächsvarianten auszuprobieren. Das hilft Ihnen, locker zu bleiben.

Und damit wären wir beim Bonus-Tipp: Seien Sie ganz entspannt. Denn selbst wenn das Telefonat zu keinem konkreten Ergebnis führt, weil Ihr Gesprächspartner Ihnen erklärt, dass Ihr Thema doch nicht so relevant ist für ihn, wie Sie dachten – Sie werden aus jedem Gespräch einen Gewinn mitnehmen.

Nicht nur, dass Sie immer um eine Erfahrung reicher sind. Sie haben auch einen Journalisten, eine Journalistin (weiter) auf Ihr Thema aufmerksam gemacht. Und damit haben Sie Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er oder sie wieder an Sie denkt, wenn das Thema für ihn oder sie relevant wird.

Wenn das Gespräch menschlich angenehm verlaufen ist (und das sollte natürlich immer das Basisziel sein), sind Sie außerdem auf dem besten Wege, einen weiteren „Kontakt“ zu entwickeln. Sie wissen schon – die Dinger, ohne die in der PR angeblich gar nichts geht.

Unterstützung bei der Journalistenansprache

Sie wollen mehr wissen über Journalistenansprache? Sie brauchen Unterstützung bei der Vorbereitung konkreter Telefonate? Oder jemanden, der das Nachfassen für Sie erledigt? Dann rufen Sie mich einfach an 🙂

 

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