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Zehntausend Stunden

Wie man ein Experten-Interview führt

Ein Interview mit einem Experten bedeutet die Chance auf Top-Content. So holt man das Maximum aus einem Experten-Interview:

Echte Experten sind als Interviewpartner sehr gefragt – darum ist es gar nicht so einfach, einen Interviewtermin mit einem zu bekommen. Umso wichtiger ist es, das Interview bestmöglich vorzubereiten und zu führen – und so viel wie möglich aus den Antworten herauszuholen. Qualitativ und quantitativ.

Experten-Interviews vorbereiten – ja, bitte. Gründlich.

Kein Experte hat Lust, in einem Interview die Basics zu erklären. Zu recht:

  1. Fragen zu den Basics sind Vergeudung kostbarer Interviewzeit.
  2. Mangelnde Vorbereitung ist darum unhöflich.
  3. Außerdem ist sie nicht professionell. Denn in einem Interview geht es darum, etwas zu erfahren das auch für die Zielgruppe neu ist. Was das sein könnte, kann ich nur einschätzen, wenn ich mich eingelesen habe und weiß, welche Diskussionen zum Thema aktuell geführt werden.

Was sind die Basics? Alles, was ein Laie problemlos nachlesen und mit etwas Intelligenz, Allgemeinbildung – und Geduld – auch verstehen kann.

Experten-Interviews führen: strukturiert. Aber offen für Unerwartetes.

Wenn ich mich gut eingelesen habe, sollte es kein Problem sein, drei bis fünf Thesen auf dem Zettel zu haben, die ich mit dem Experten diskutieren möchte. Sie sind die Grundlage der Fragen, die ich im Hauptteil des Interviews stelle.

Zugleich bin ich offen dafür, von den Thesen abzuweichen, wenn das Interview in eine unerwartete Richtung führt, die für meine Zielgruppe interessant ist: Ein Interview sollte ein offenes Gespräch sein. Wenn das Interview die Grundlage eines bereits platzierten Artikels sein soll und die Redaktion einen bestimmten Content erwartet, sind der Offenheit allerdings Grenzen gesetzt.

Ich halte mich an fünf Interviewregeln

  1. Das Interview mit einfachen, eher allgemeinen Fragen beginnen – die Thesen können noch etwas warten, komplizierte Details auch.
  2. Die Informationen annehmen, die der Interviewpartner eventuell vorbereitet hat, auch wenn ich glaube, dass ich sie nicht brauche. Erstens ist das höflich, zweitens erfahre ich vielleicht doch etwas Wichtiges, wonach ich gar nicht gefragt hätte.
  3. Solange weiterfragen, bis ich etwas Neues gelernt habe. Das ist fast das Wichtigste: Nur, wenn ich etwas Neues lerne, kann mein Content Neues bieten!
  4. Um Erklärungen bitten, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Was ich nicht verstehe, verstehen die Leser vermutlich auch nicht.
  5. Am Ende des Interviews fragen, ob es noch weitere Dinge gibt, die wichtig wären. Dafür genug Zeit einplanen! Für den Fall, dass jetzt nichts kommt, habe ich noch ein paar Fragen zu verwandten Themen in Reserve.

Hinzu kommt die Zusatzregel: Interviews aufnehmen. Immer. Nicht statt Notizen, sondern zusätzlich.

Nach dem Interview: Das Beste draus machen. Und das Meiste.

  1. Das Beste aus einem Interview machen: Wo die Messlatte für Top-Content zum Interview-Thema hängt, habe ich schon bei der Vorbereitung gemerkt. Die Inhalte mit dem höchsten Ranking sind oft auch die Besten. Ist so.
  2. Das Meiste aus dem Interview machen: Nachdem ich mühsam einen Interviewtermin mit einem Top-Experten ergattert habe (oder meine Auftraggeber mehr oder minder mühevoll den Termin vereinbart haben), will ich auch in Sachen Quantität möglichst viel herausholen: unterschiedliche Content-Stücke und -Formate. Die Frage ist, welche Teile des Interviews kann ich wie noch anderweitig verwenden? Mindestens ein langes und kurzes Stück für unterschiedliche Zielgruppen (zum Beispiel Anfänger und Fortgeschrittene, Bestandskunden und Neukunden) sollte drin sein. Mehr ist besser.

Woran erkennt man ein gutes Experten-Interview?

Am Ende am Content, der daraus entstanden ist. Ist er gut, also informativ, relevant und wenigstens ein bisschen unterhaltsam? Dann war’s ein gutes Interview.

Doch bevor er veröffentlicht werden kann, muss der Content durch den Feedback-Prozess. Das wär doch ein schönes Thema für einen weiteren Post 🙂

 

 

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