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Zehntausend Stunden

Sechs Tipps für tolle Vorträge

Vorher üben. Atempausen machen. Bei PowerPoint-Slides sparsam sein mit den Infos pro Seite – und eine große Schrift benutzen. Die meisten Menschen, die Vorträge halten, kennen diese Vortragstipps.

Es gibt aber darüber hinaus Tricks, die nicht so allgemein bekannt sind. Die den Unterschied machen zwischen einer Präsentation, die ganz okay ist, und einer wirklich guten. 

Wenn Sie Lust auf einen knapp viertelstündigen, genialen englischsprachigen Vortrag zu diesem Thema haben, bitte hier entlang zu Rand Fishkin. Er bringt es auf den Punkt.

Und jetzt das, was ich von seinen Ausführungen am wichtigsten fand, garniert mit meinem Senf – sechs Vortragstipps für überdurchschnittlich gute Präsentationen:

1. Versuchen Sie dem Publikum etwas mitzuteilen, was es noch nicht weiß

„Wie bitte? Natürlich erzähle ich etwas Neues, sonst würde ich die Präsentation doch gar nicht halten!“, mögen Sie jetzt denken.

Klar! Aber was, wenn ich Ihnen sagen würde: Versuchen Sie – auch am Anfang – dem Publikum etwas mitzuteilen, was es noch nicht weiß…?

Es ist ein weit verbreiteter Fehler, möglichst breit einzusteigen, um „alle mitzunehmen“. Wenn Sie Ihrem Publikum etwas erzählen, was 80 oder 90 Prozent der Anwesenden schon längst wissen, weil es sich um allgemein bekannte Fakten handelt, dann – genau:

Die Leute langweilen sich, schon schauen die ersten auf ihr Smartphone, Sie können einpacken.

Darum der erste der sechst Vortragstipps: Verlieren Sie lieber die 10 oder 20 Prozent, die noch nie von Ihrem Thema gehört haben, als die 80 oder 90 Prozent, die sich mit Ihrem Thema schon auskennen und die nach neuen, zusätzlichen Erkenntnissen lechzen.

Außerdem können (und sollten) Sie die Leute fragen, ob Sie schon mal von diesem oder jenem Punkt gehört haben (Tipp Nr. 6).

2. Zeigen Sie keine Slides mit einer Reihe von Infos, über die Sie nacheinander sprechen

Wir alle kennen das. Aus der Mehrzahl der Präsentationen, bei denen wir selbst im Publikum saßen. Daraus folgt im Umkehrschluss der zweite unserer Vortragstipps: Fast alle kennen wir es auch aus unseren eigenen Präsentationen.

Oder? Hand auf’s Herz. Als ich diesen Rat zum ersten Mal erhielt, dachte ich, oh Schreck, ich muss in Zukunft ganz anders an die Sache herangehen.

Viele Slides sind so strukturiert:

Überschrift – Info 1 – Info 2 – Info 3

Und während Sie noch über Info 1 sprechen, liest Ihr Publikum schon Info 3. Wenn es damit fertig ist und Ihnen kurz wieder zuhört, stellt es fest: Sie sind immer noch bei Info 1… und jetzt kommen Sie endlich zu Info 2… Aber der Inhalt ist schon bekannt. Steht ja alles auf dem Slide.

Gähn.

Es gibt zwei Möglichkeiten um es besser zu machen:

  1. Zeigen Sie erst Info 1 und lassen Sie Info 2, 3 und so weiter zum richtigen Zeitpunkt als Animation erscheinen.
  2. Machen Sie aus einem Slide mehrere. Eines für die Überschrift, je eines für jede Information. Damit gewinnen Sie jede Menge Raum, Ihre Informationen zu visualisieren.

3. Finden Sie spezifische Beispiele für Ihre Präsentation

Okay. Manche Vortragstipps können ganz schön Arbeit machen. Dieser zum Beispiel. Aber es lohnt sich.

Finden Sie für jedes Publikum geeignete Beispiele. Beispiele, die für die Leute, die Ihnen zuhören sollen, wirklich relevant sind.

Weil sie etwa aus ihrem Arbeitsumfeld stammen: Bringen Sie bei Autoherstellern ein Beispiel aus der Autoherstellung und bei Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln ein Beispiel aus der Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln.

Das Publikum merkt entweder, dass Sie sich in seiner Welt auskennen – damit wird, was Sie sagen, automatisch wichtiger. Oder es merkt zumindest, dass Sie sich mit der Welt der Leute, vor denen Sie stehen, beschäftigt haben. Das macht Sie sympathisch und vertrauenswürdig.

Eine andere Möglichkeit dafür ist: Bringen Sie ein Beispiel mit einem lokalen Bezug. Wenn Sie an der Nordseeküste sind, bauen Sie Krabbenfischerei ein, wenn Sie in Oberbayern sind, Bier. Oder – Nordseeküste: Springflut. Oberbayern: Fön.

Kleiner Warnhinweis: Die Einheimischen kennen sich besser in ihrer Heimat aus als Sie, die Besucherin. Die Spezialisten verstehen mehr von ihrem Fach als Sie, der Fachfremde. Versuchen Sie nicht so zu tun, als wüssten Sie alles über die Gegend oder die Branche.

Zeigen Sie einfach, dass Sie sich damit beschäftigt haben. Nach dem Motto: „Ich habe München gegoogelt und habe gesehen, Sie feiern hier jeden Herbst ein großes Volksfest…“

4. Zeigen Sie in Ihrer Präsentation Konflikte auf

Darüber habe ich mich schon lang und breit in meinem Post über Storytelling ausgelassen: Konflikte sind die Essenz jeder guten Geschichte und damit auch jeder guten Präsentation.

Keine Story ohne Konflikt. Als Redner oder Rednerin brauchen Sie das Gute, das Böse und den Kampf zwischen diesen beiden Mächten.

Das Böse kann sein: Fachkräftemangel. Schlecht aufbereitete Daten. Ungünstige Gesetzeslage. Unterirdische Kommunikationsstrukturen. Die Konkurrenz.

Was auch immer das Böse in Ihrer Präsentation ist – machen Sie den Feind aus, zeigen Sie dem Publikum das Problem, das es zu bekämpfen gilt.

Was besiegt das Böse? Das Gute: Ihr Team. Ihre Idee. Ihre Software. Ihr Geschäftsmodell. Ihre Petition. Ihr Plan. Ihr Unternehmen.

Das Gute ist etwas, dass die Leute mögen, worauf sie hoffen oder womit sie sich identifizieren können. Lassen Sie die beiden Mächte gegeneinander antreten und zeigen Sie, wie das Gute siegen kann.

5. Geben Sie keine allgemeinen Tipps – sondern konkrete

Das kennen wir auch alle: Wir bekommen etwas erklärt – aber was wir deswegen tun sollten bleibt im Ungefähren.

Zum Beispiel erklärt uns der Redner, warum die Kommunikation in vielen Unternehmen nicht so funktioniert, wie sie könnte (das Böse).

Jetzt wollen wir erfahren, was helfen könnte, damit die Kommunikation besser funktioniert (das Gute).

Und wir bekommen gesagt: „Sie müssen besser kommunizieren!“

Äh. Ja, aber wie? Das würde uns der Vortragende verraten, wenn wir das teure Seminar bei ihm buchen würden.

Alternativ können wir die Software seines Unternehmens kaufen. Auch nicht billig, aber das Programm führt uns dann Schritt für Schritt zu einer besseren Kommunikation.

Danke. So richtig befriedigend ist das nicht.

Niemand verlangt, dass Sie Ihre komplette Zauberkiste bei einem Vortrag auspacken und alle Tools gratis ans Publikum verteilen. Das würde ja auch den Rahmen sprengen (wie man viel zu oft sagt).

Aber: Geben Sie dem Publikum zumindest etwas zu beißen. Eine tolle Idee, die jeder Zuhörer sofort ausprobieren kann. Eine Erkenntnis: „Aha, so kann ich es in Zukunft machen – das funktioniert!“

6. Fragen Sie Ihr Publikum, ob es weiß, wovon Sie reden

Hier schließt sich der Kreis zum ersten Punkt: Setzen Sie voraus, dass Ihr Publikum schon einiges weiß.

So bleibt es für die spannend, die sich schon länger für Ihr Thema interessieren.

Und die Neulinge nehmen Sie mit, indem Sie, wenn Sie zu einem Punkt kommen, der vielleicht doch einigen unbekannt sein könnte, einfach in die Runde fragen: „Wer von Ihnen kennt X noch nicht?“

Wenn sich dann eine oder mehrere Personen melden, können Sie beruhigt erklären, was es grundsätzlich mit X auf sich hat.

Denn die Cracks, die X schon auswendig kennen, haben jetzt Verständnis und können Geduld aufbringen, bis Sie X ausreichend erklärt haben.

Mit Ihrer Frage haben Sie eine auf Empathie basierende Beziehung zu Ihrem Publikum aufgenommen. Und eine gute Grundlage für mehr Empathie zwischen den einzelnen Menschen im Publikum geschaffen – eine der geheimen Zutaten eines gelungenen Vortrags.

Weitere Vortragstipps gewünscht – oder komplette Key Notes?

Reden wir einfach darüber 🙂

 

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