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Zehntausend Stunden

Emojis in Business-Texten: 👎oder 👍?

Dürfen wir Emojis in Business-Texten verwenden? Sollten wir vielleicht sogar Emojis in seriöse Texte einbauen? Mindestens in geschäftliche Emails, vielleicht sogar in Präsentationen?

Und wie ist es mit Emojis auf Websites? Emojis in Fachartikeln? In Kostenvoranschlägen und Angeboten? In Geschäftsberichten?

Und falls Emojis für Geschäftstexte überhaupt in Frage kommen – was bringen sie? Und wo ist die Grenze, ab der Emojis nun wirklich nicht mehr gehen?

Was Emojis nicht können:

Als kleines Experiment dazu erzähle ich Ihnen im Folgenden, warum ich das Thema Emojis für diesen Post ausgewählt habe und wie es mir damit ergangen ist:

📆😳🤭🤔💡✍️😊🐎😃🐝🐝🐝🤓✍️😁😴

Alles klar?

Falls nicht, hier kommt die Auflösung:

📆 Oha! Es ist Zeit für den nächsten Blogpost.

😳 Das ist ungünstig!

🤭 Ich habe keine freie Minute.

🤔 Was mach ich nur?

💡✍️😊 Ich schreibe einen Blogpost über Emojis.

🐎 Das geht schnell, weil ich nicht so viele Wörter brauche.

😃 Super Idee!

🐝 Los geht’s.

🐝 Recherchier, recherchier.

🐝 Denk, denk.

🤓 ✍️ Schreib.

😁 Langer Post mit wenig Worten.

😴 Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.

Ergebnis des Experiments: Emojis sind ungeeignet, komplexe Informationen zu übermitteln.

Was Emojis hervorragend können:

Wie ihr Name schon andeutet, sind Emojis für Gefühle zuständig. Dafür wurden sie erfunden: Um emotionale Nuancen zu übermitteln und die Gefahr von Missverständnissen in der schriftlichen Kommunikation zu verringern.

Der Informatiker Scott E. Fahlmann hat das erste Emoji, den Smiley, 1982 als Mittel gegen Missverständnisse und unnötige Spannungen im Onlineforum seiner Universität erfunden.

Emojis – Emoticons – Piktogramme

Fahlmanns Smiley war genau genommen kein Emoji, sondern ein Emoticon, ein aus Satzzeichen zusammengesetztes Symbol: Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer.

Und viele unserer heutigen über 3.000 Emojis sind ebenfalls keine Emojis (im Sinne von emotionalen Verständigungshilfen). Sondern Piktogramme – einfache Bilder, die eine Information übermitteln sollen: Das 🐎 steht eben nicht für Geschwindigkeit wie in dem Experiment oben, sondern für ein Pferd.

Wenn man das Zeichen im übertragenen Sinne benutzen will, kann das klappen oder auch nicht:

Person A: „Wir müssen in zwei Stunden am Flughafen sein…“

Person B: „🐎“

Person A: „JETZT gehst Du noch reiten???“

Emojis in geschäftlichen Emails oder Messenger-Nachrichten

Zurück zur Frage, ob wir Emojis im Business-Kontext einsetzen dürfen. Ich sage: Wir dürfen und sollten.

Am häufigsten begegnen uns Emojis in der geschäftlichen Kommunikation in Emails oder Messenger-Nachrichten. Und das ist auch gut so, denn dort geht es nicht selten um:

  • Erinnerungen an Termine und Fristen
  • Nachfragen, weil irgendetwas fehlt oder nicht auffindbar ist
  • Feedback und damit oft auch Kritik

Wer sich in solchen Fällen nur auf das geschriebene Wort verlässt, kann schnell in eine Kontroverse geraten, obwohl das vielleicht gar nicht seine Absicht war.

Einfach, weil er in der Schriftsprache nicht die Möglichkeit hat, durch seinen Gesichtsausdruck, seine Körpersprache und seine Stimme die menschliche Verbindung intakt zu halten.

Wenn ich jemanden anrufe, weil er eine Deadline verpasst hat und ich ihn auffordern möchte, bis spätestens heute 17 Uhr zu liefern, kann ich das in freundlichem Ton tun. Wenn ich jemandem in einem persönlichen Gespräch kritisiere, ebenso.

In der Schriftsprache geht das nicht. Zwar kann ich sorgfältig darauf achten, bei unangenehmen Themen die Tonalität der bisherigen Konversation beizubehalten – also nicht plötzlich „Hallo“ statt „Lieber“ zu schreiben oder „Mit freundlichen Grüßen“ statt „Liebe Grüße“. Aber darüber hinaus sind meine Gestaltungsmöglichkeiten erstaunlich begrenzt.

Emails mit und ohne Emojis – der Vergleich:

Ich komme zum Beispiel nicht umhin zu schreiben: „Wir brauchen das Material bis spätestens 17 Uhr, sonst können wir das Angebot nicht rechtzeitig fertigstellen.“

Es ist nicht empfehlenswert, eine solche Aussage durch ein freundliches Emoji abzuschwächen: Wenn ich das Material brauche, dann brauche ich es, Punkt.

An anderer Stelle derselben Email kann ich jedoch  dem Adressaten mit Emojis zeigen, dass ich ihn als Mensch schätze und mich in seine Situation hineinversetzen kann, auch wenn ich ihm in der Sache  Druck mache.

Es ist für mich als Absenderin und für den Adressaten ein Unterschied, ob ich weiter unten schreibe: „Viele Grüße und noch einen schönen Tag.“  Oder „Viele Grüße und noch einen schönen Tag ☺️“

Und wenn es gar nichts Unangenehmes zu besprechen gibt? Dann helfen Emojis ebenfalls, Emotionen zu verdeutlichen. Was lesen Sie lieber: „Ich freue mich auf unseren Termin.“ Oder „Ich freue mich auf unseren Termin 😃“?

So funktionieren Emojis:

Der Unterschied zwischen den beiden oben stehenden Sätzen ist spürbar, oder?

Das liegt daran, dass die Betrachtung von Emojis ähnliche Reaktionen im Gehirn des Betrachters auslösen wie die Betrachtung menschlicher Gesichter und Gesichtsausdrücke.

Das ist für die Emojis mit Gesichtern nachgewiesen, also beispielsweise 😃😳 😍.

Emojis auf Business-Websites:

Ich persönlich bin der Auffassung, dass Emojis auch auf Business-Websites sehr nützlich sind – mit Ausnahmen.

Diese Ausnahmen sind erstens Branchen, in denen es hochseriös zugeht: Auf der Website einer Patentanwaltskanzlei sind Emojis vielleicht etwas zu avantgardistisch 😉

Zweitens sind Emojis fehl am Platz in Branchen, in denen es um starke negative Emotionen geht:

  • Ein Bestattungsunternehmen, auf dessen Website ein 😢 zu sehen ist?
  • Ein Privatdetektiv, der 🧐😳😡 verwendet?

Würde ich beide nicht beauftragen, weil ich mich mit meiner Trauer bzw. meinen Nöten nicht ernstgenommen fühlen würde.

Aber in allen anderen Branchen können Emojis an den richtigen Stellen gute Dienste leisten: Immer dann, wenn es um die direkte Kommunikation mit dem Kunden geht – wenn der Website-Text die persönliche Ansprache ersetzt.

Zum Beispiel bei einem Call-to-Action: „Rufen Sie uns einfach an!“ Oder vielleicht doch lieber „Rufen Sie uns einfach an 😊“?

Emojis in Präsentationen:

Da Präsentationen im Allgemeinen persönlich präsentiert werden, braucht es keine Emojis. Sie sind aber auch kein Tabu – und oft einfach Teil der Illustration.

Emojis in Fachartikeln:

Hier kommt es aufs Fach – bzw. die Branche – an, s. oben. Und darauf, ob der Artikel gedruckt oder online erscheint. Falls beides der Fall ist, würde ich auf Emojis verzichten, s. unten.

Was ist mit Emojis in Broschüren und anderen Print-Produkten?

Hier bin ich sehr vorsichtig. In Print, erst recht in Produkten, die etwas länger ihre Gültigkeit behalten sollen als ein Event-Flyer, würde ich Emojis nur in seltenen Ausnahmefällen verwenden.

Die Ausnahmefälle sind so selten, dass mir noch nicht einmal ein Beispiel einfällt 😉

Emojis haben sich als Mittel der Online-Kommunikation entwickelt. Von den Nachrichten eines Online-Forums haben sie den Weg in Emails, Messenger-Botschaften, Blogposts und Social Media   gefunden und breiten sich nun auf Websites aus.

Vielleicht werden sie eines Tages auch offlline selbstverständlich sein. Auf humorigen Postkarten sind sie zum Beispiel schon angekommen. Aber bis sie einen festen Platz in geschäftlichen Print-Produkten erobert haben, wird noch einige Zeit vergehen.

Und jedes Unternehmen sollte sich gut überlegen, ob es dabei zur Avantgarde gehören möchte oder im Mainstream besser aufgehoben ist.

Und Emojis in Kostenvoranschlägen und Angeboten?

Lieber nicht 🧐

Beratung zu Emojis in Business-Texten:

Sie suchen die richtige Strategie im Umgang mit Emojis in Ihrer Business-Kommunikation? Rufen Sie mich einfach an!

🤓

 

 

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